Bohren und Zerspanen · Werkzeugnormen
DIN bei Bohrern und Senkern: Maße und Formen verstehen
DIN 338, 340, 345, 1412, 335 und 373 verständlich zuordnen. Warum eine Normangabe keine allgemeine Freigabe für Werkstoff und Schnittwerte ist.
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Fachlicher Überblick
Normnummern helfen, ein Werkzeug konstruktiv einzuordnen. Sie können etwa Baureihe, Schaft oder Anschliffform beschreiben. Materialeignung, Beschichtung und Schnittdaten sind zusätzliche Informationen. Zwei Bohrer mit DIN 338 können deshalb für unterschiedliche Aufgaben ausgelegt sein und unterschiedliche Anwendungsempfehlungen besitzen.
Maßreihe und tatsächliche Abmessung
DIN 338 bezeichnet kurze Spiralbohrer mit Zylinderschaft, die oft als Standardlänge angeboten werden. DIN 340 steht für eine längere Baureihe. Die benötigte Arbeitslänge und Gesamtlänge werden trotzdem am konkreten Durchmesser geprüft. Der Begriff kurz bedeutet im Normtitel nicht, dass jeder so bezeichnete Bohrer für jeden engen Bauraum passt.
Schaftsystem nicht übersehen
DIN 345 betrifft Spiralbohrer mit Morsekegelschaft. Das ist eine andere Aufnahme als der übliche Zylinderschaft. MK-Größe, Maschinenaufnahme und etwaige freigegebene Zwischenkomponenten müssen übereinstimmen. Den Werkzeugdurchmesser allein zu vergleichen kann zu einer mechanisch unpassenden Bestellung führen.
DIN 1412 beschreibt den Anschliff
Die Anschliffform ergänzt die Angaben zur Maßreihe. Form C wird bei HSS-Spiralbohrern als Kreuzanschliff bezeichnet. Sie ist nicht dasselbe wie Typ C eines anderen Werkzeugs oder eine Werkstoffklasse. Normnummer und Formbuchstabe deshalb immer zusammen lesen.
DIN 335 und abweichende Senkwinkel
DIN 335:2024-11 beschreibt laut DIN Media HSS-Kegelsenker mit 90° Spitzenwinkel. Im Handel werden außerdem 60°- und 120°-Senker angeboten. Diese Winkel dürfen nicht allein wegen ähnlicher Form oder einer Familienbezeichnung als identisch mit einer 90°-Normausführung behandelt werden. Die Winkelangabe im konkreten Artikel ist entscheidend.
DIN 373 und Schraubensitz
DIN 373 betrifft Flachsenker mit Zylinderschaft und festem Führungszapfen. Ein solcher Senker erzeugt eine andere Sitzform als ein Kegelsenker. Werkzeugmaß und benötigte Senkung nach Zeichnung sind zwei getrennte Dinge. Insbesondere muss der Führungszapfen zur vorbereiteten Bohrung passen.
Norm, ähnlich Norm und Zeichnung
Die Formulierungen nach DIN, ähnlich DIN oder eine reine Normreferenz sind nicht automatisch gleichbedeutend. Bei einer maßkritischen Anwendung werden Artikelzeichnung, Toleranzen und Herstellerangaben verglichen. Verbindliche Normdetails müssen in der benötigten Ausgabe geprüft werden; dieses Lexikon ersetzt nicht die vollständigen Normtexte.
Auswahl im Arbeitsprozess
- Standardbohrung mit Zylinderaufnahme
- Maßreihe und konkrete Länge prüfen
DIN 338 allein nennt noch keine universelle Materialeignung.
- Definierter Schraubensitz
- Zeichnung und Senkergeometrie vergleichen
Winkel, Durchmesser und gegebenenfalls Zapfenmaß bestimmen.
- Ersatzwerkzeug beschaffen
- Vollständige Artikelmerkmale abgleichen
Normnummer plus Schneidstoff, Geometrie, Aufnahme und Abmessung verwenden.
Fehlerbilder und Prüfpunkte
- DIN mit Gütesiegel verwechselt
- Die konkrete Funktion der Norm und die übrigen Produktmerkmale prüfen.
- Form C ohne Normnummer gelesen
- Formbezeichnungen sind nur im jeweiligen Zusammenhang eindeutig.
Häufige Fragen
Bedeutet DIN 338, dass der Bohrer Edelstahl bohren kann?
Nein. Dafür braucht es die Freigabe der konkreten Werkzeugserie.
Ist DIN 335 automatisch ein 120°-Senker?
Nein. Die genannte DIN-Ausgabe betrifft 90°-Kegelsenker. Den Winkel immer am Artikel prüfen.
Muss ich bei gleicher DIN auch Länge und Schaft vergleichen?
Ja. Besonders Durchmesser, Baureihe, konkrete Ausführung und Aufnahme müssen zur Anwendung passen.